Zeit Online: Age of Empires Online und Free2Play

von denniskogel

Neuer Artikel von mir bei der Zeit, es geht um Age of Empires Online und Free2Play-Spiele:

Nur Games, die wie das Onlinerollenspiel Star Wars: The Old Republic mit großen Markennamen oder wie The Secret World mit innovativen Spielideen aufwarten können, leisten sich noch das traditionelle Abo-Modell.

Die Herausforderung bei einem Kostenlos-Titel ist immer, Spieler davon zu überzeugen, dass das Bezahlen Vorteile für alle bringt, aber für niemanden Nachteile. So lange die Bezahlinhalte aus lustigen Hüten oder ein paar Blumenkübeln bestehen, ist das kein Problem. Wenn es sich dagegen um ganze Zivilisationen handelt, wird es schwierig. [Link]

Was ich sehr spannend am Thema Free2Play finde ist der (äußerst!) langsame Wandel in der kulturellen Wahrnehmung vom Wert eines Free2Play-Spiels. Vor einigen Jahren waren nur Nischentitel, Kopien oder gescheiterte MMOs „gratis“, inzwischen sind viele der Spiele, die ich persönlich sehr spannend finde, Free2Play. Firefall, Planetside 2, Team Fortress 2 und passenderweise wurde heute angekündigt, dass auch DC Universe Online keine Monatsgebühren mehr verlangen wird.

Es kann also keine Rede davon sein, dass die Spiele von Herstellern als Wegwerfprodukte gedacht sind. Als psychologische Kriegsführung mit Ziel der Eroberung der Kreditkartennummer…deiner Mutter. Age of Empires Online ist in Ordnung, es ist nicht innovativ (herrje, es ist praktisch Age II im MMO-Gewand), aber es ist in Ordnung. Es spielt sich gut, es macht Spaß und…die AI ist völlig daneben.

Interessant dann aber: in den Comments wird sehnlichst wieder die Zeit herbeigewünscht, wo Spiele für 40 Euro (oder 89 DM meinetwegen) gekauft wurden und fertig. Free2Play ist dabei der böse Eindringling. „Wie das ist gratis? Da ist ein Haken“ – in vielen Fällen stimmt das leider. Ich glaube aber, das Modell Spieler auszubeuten, ist nicht zukunftsfähig. Oder…zukunftsfähig, aber auf Kosten des Rufs für Short Term Profit. Zynga hat immer noch damit „zu kämpfen“ (sprich: es wird in der Presse regelmäßig auseinandergenommen), weil Farmville der Teufel ist. Und das obwohl die neueren Spiele überhaupt nicht schlecht sind. Aber das darf ja nicht gesagt werden. Ist ja gratis. Und auf Facebook. Und von Zynga!

Insofern: Free2Play wohl kaum mehr wegzudenken und wird nicht mehr für derivatives Design und psychologische Tricks stehen, sondern eben für State of the Art Multiplayer-Games. Ob das letztlich zu besseren oder schlechteren Spielen, zu besserem oder schlechterem Zugang oder zum Weltuntergang führt, das sehen wir dann halt.

 

Stray Observations:

  • das ist der dritte Artikel von mir auf Zeit Online, die ersten beiden gibt es hier und hier
  • Ben There, Dan That ist wirklich gut. Wirklich, wirklich, wirklich gut. Und gratis. Und hier.
  • Über den Sinn und Unsinn der Spielepresse wird heute auch auf Englisch debattiert: Arthur Gies sagt, dass es keinen Platz gibt für neue Autoren und Stuart Campbell wirft medienübergreifend institutionelle Korruption vor. Fein!
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